Philosophie

„Musik kann ich nicht.“ „Ich würde ja gerne, habe aber kein Talent.“ „Notenlesen konnte ich noch nie.“ „Üben? Ja! Vom Blatt spielen? Geht. Improvisieren? Mit anderen zusammenspielen? Ohne Vorgaben? Niemals!“

Wer an dieser Stelle eigene Gedanken oder Gedanken von Menschen aus ihrer/seiner Umgebung wiedererkennt, für die/den ist dieses Projekt gedacht; aber auch für alle, die schon erfahren und selbstbewusst in der Musik sind und einfach Freude am Zusammenspiel haben. Gemeinsam Musik Entdecken (GME) nimmt die Teilnehmenden mit auf eine Reise. Wir erforschen Klänge und Stille, Ruhe und Bewegung. Vor allem den eigenen inneren Klang, die eigene innere Bewegung. Das was in uns schwingt. Das was klingt, wenn wir leise sind und uns selbst hören. Dem geben wir einen Ausdruck!

Im Zusammenspiel mit anderen entdecken wir manchmal Facetten an uns selbst, die bis dato unter Verschluss waren. Die Gruppendynamik eines wilden Jams reisst uns bisweilen für einige Momente völlig aus unseren alltäglichen Rollen und Bildern. Neue Bilder entstehen dabei in unseren Köpfen, die die uns bekannte Welt und die uns so vertrauten Muster und Denkstrukturen in ein neues Licht rücken können. Musik mit anderen zu entdecken bedeutet, in sich selbst neue Wege zu gehen, sich neu zu orientieren.

Immer wieder glauben wir, bestimmte Dinge nicht tun zu können. Nicht fähig zu etwas zu sein. Im Grunde haben wir alle ein gedankliches Bild von etwas, wozu wir glauben NICHT berufen zu sein. Genauso wie etwas, das uns inspiriert, uns erfüllt, etwas in dem wir uns zuhause fühlen. Die Leistungsbezogenheit der äußerlichen Welt stellt oft den Anspruch an uns, das was wir tun „messbar gut“ zu machen. Fehlt diese Einordnung, verunsichert uns das. Stellen wir fest, dass wir „messbar schlecht“ in etwas sind oder wird uns gesagt, dass wir kein Talent hätten, lassen wir von Dingen ab. Aber was ist mit den Dingen, die keine Einordnung brauchen: Dinge, die wir nur für uns selbst tun, um unseretwillen. An Musik wird oft ein Unterhaltungsanspruch gestellt. Sie soll den Zuhörenden Freude bereiten. Jedoch kann jede*r Musiker*in bestätigen, dass die schönste Musik aus dem eigenen Inneren kommt. Zunächst muss man Freude in sich verspüren, um anderen ein Freude zu bereiten.

Musik hat etwas mit dem eigenen Gefühl, der eigenen Persönlichkeit zu tun. Wir alle haben eine Geschichte zu erzählen: Der Wandel den wir durchlaufen, die Hochs und Tiefs die wir erleben, die Einsamkeit und Zugehörigkeit, Nähe und Distanz – unsere eigene, ganz persönliche Geschichte. Manche kleiden sie in schöne Worte, andere malen ein Bild, behauen Steine, nähen, schnitzen oder tanzen und wieder andere machen Musik. Letztlich ist das Medium auch egal. Das Entscheidende ist das Erkunden des eigenen Potentials. Zu ihm führen Wege, gibt es Arten, Zugänge und Ausdrucksformen und zwar so viele unterschiedliche, wie es Menschen gibt. Dieses Projekt bietet euch die Möglichkeit, musikalisch danach zu suchen: methodisch und angeleitet, spielerisch, improvisiert oder nach Plan und zielgerichtet, aber immer auf euch abgestimmt. Nicht ein jeder Mensch muss Musik als Ausdrucksform bevorzugen, doch ausprobieren lohnt sich – immer!